Industriepark Höchst und Frankfurt

Am 29. Juni 2018 traf ich mich mit mehreren Fotofreunden zunächst in Hoechst und dann in der Frankfurter Innenstadt. In Hoechst, dessen mittelalterliche Altstadt mit einer Schlossanlage übrigens sehr reizvoll ist, nahmen wir an einer Quartalsführung auf dem Gelände des Industrieparks Höchst teil. 

Nach Schließung der Fa. Hoechst AG (1974) wurde das 4,6 qkm Firmengelände mit der großen (nicht immer rühmlichen) Vergangenheit in einen Industriepark umgewandelt.

Wikipedia schreibt hierzu (entnommen am 01.07.18): „Die Hoechst AG – bis 1974: Farbwerke Hoechst AG, vorm. Meister Lucius & Brüning – in Frankfurt am Main war eines der drei größten Chemie- und Pharmaunternehmen Deutschlands. Es wurde 1863 im damals nassauischen Höchst am Main gegründet und wuchs bis zum Ersten Weltkrieg zu einem Weltunternehmen. 1925 fusionierte es mit anderen Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG und wurde 1951 nach der Entflechtung der I.G. Farben neu gegründet.

Durch Unternehmensübernahmen und Investitionen in neue Produkte wuchs Hoechst zu einem Großkonzern. Mitte der 1950er Jahre überschritt der Jahresumsatz erstmals eine Milliarde DM, 1969 die Marke von 10 Milliarden DM. Anfang der 1980er Jahre war Hoechst das nach Umsatz größte Pharmaunternehmen der Welt. Anfang der 1990er Jahre erreichte der Konzern mit 180.000 Beschäftigten, einem Jahresumsatz von 47 Milliarden DM und einem Gewinn von über vier Milliarden DM seine größte Ausdehnung.

1994 begann die Neuausrichtung und Umstrukturierung der Hoechst AG. Das ehemalige Stammwerk wurde 1997 zum Industriepark Höchst. Nach der Überführung in eine Holding schloss sich die Hoechst AG 1999 mit Rhône-Poulenc zur Aventis S.A. mit Sitz in Straßburg zusammen und spaltete die verbliebenen Chemieaktivitäten in der Celanese AG ab. Die Hoechst AG gehörte dem DAX seit seiner erstmaligen Berechnung 1988 bis zum 20. September 1999 an und blieb noch bis Ende Dezember 2004 als deutsche Zwischenholding der Aventis an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Nach der Fusion von Aventis mit Sanofi-Synthélabo zur Sanofi-Aventis 2004 verschwand der Name Hoechst endgültig aus der Öffentlichkeit.“ (Ende des Zitats)

Die Fa. Sanofi ist heute noch die größte Firma im Industriepark. Die ehemalige Größe und die Macht der Firma kann man an dem trutzburghaften „Behrensbau“ in seinem mächtigen, streng aus der Tradition des Werkbundes stammenden Backsteinexpressionismus erkennen. Hier wurde Macht in Stein geformt.

Weniger aus Stein stellte sich die Macht des Aufpassers dar, der neudeutsch “Security“ genannten uniformierten Truppe, die das Gelände bewacht. Ein Mitglied dieses Vereins herrschte mich gleich zu Beginn der Führung an, weil ich im einem Anfall von Anarchie den Zebrastreifen beim Überqueren der Straße rechts liegen ließ. Selbiger kontrollierte bei Betreten des Geländes nicht nur die Personalausweise, (Meinen Namen hat er sich sicherlich gemerkt), sondern weist auch mit allem Nachdruck auf das Fotografierverbot hin. Die Kameras mussten in den dafür mitgebrachten Taschen verschwinden und durften erst im Behrensbau wieder ausgepackt und ihrer Bestimmung zugeführt werden. Der Behrensbau selbst ist zwar denkmalgeschützt und hat keinerlei sicherheitsrelevanten, in der Fassade versteckten Firmengeheimnisse; er darf aber von außen nicht fotografiert werden. Wenn auf dem Werksgelände Fotografierverbot herrscht, dass herrscht nun mal auf dem gesamten Firmengelände Fotografierverbot. Und wenn halt dieser verdammte denkmalgeschützte Bau auf dem Firmengelände steht, dann … usw.

Ein Stunde dauerte nun die abwechslungsreiche Führung im Gebäude, wobei die nette Dame im krassen Gegensatz zu der uniformierten Machtdemonstration am Eingang stand.

Anschließen fuhren wir nach Frankfurt, parkten in der Nähe der DZ-Bank, und besuchten nach einer kurzen Erfrischung die dortige Ausstellung. Es erstaunt immer wieder, wie sich diese Bank für die Kunst (insbesondere für die Fotografie) einsetzt, sie sammelt und die Werke in Ausstellungen der Allgemeinheit sachkundig zugänglich macht.

Insgesamt wieder ein sehr lehr- und abwechslungsreicher Nachmittag in bester Gesellschaft und mit ein paar fotografischen Ergebnissen, die das eben Geschriebene optisch verdeutlichen.

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